ᐅ So funktionieren Silent Systeme und Silent Pianos

Die Bezeichnung “silent” stammt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie “leise”, “still” oder “stumm”. Durch das Stummschalten des Klaviers und die Klangwiedergabe durch einen Kopfhörer, kann ein Pianist spielen wie er Lust und Laune hat, ohne dabei andere zu stören. Bei dem Silent Piano System handelt es sich um eine Technik, durch die ein sonst konventionelles Klavier durch eine zusätzliche “Silent-Ausstattung” um eine digitale Wiedergabe ergänzt wird. Das System macht es möglich, das Klavierspiel statt über reguläre Saiten mittels eines Kopfhörers oder einer Hi-Fi-Anlage wiederzugeben. Das Instrument wird durch das mittlere Pedal stumm gestellt, wobei die Wiedergabe der Töne ausschließlich digital erfolgt.

1992 gelang es erstmals Yamaha, Instrumente mit einer Silent-Einrichtumg auf den Markt zu bringen. Das Prinzip hat sich seitdem nicht geändert. Allerdings konnte die Technik weiterentwickelt und verfeinert werden. 2014 begann Yamaha mit der Produktion der “TransAcoustic-Technologie”, bei der Transducer den Resonanzboden des Instrumentes zum Lautsprecher machen. Dadurch wurde es möglich, jede Art von Klang durch die akustische Resonanz des Klaviers zu übertragen.

In der Regel handelt es sich um authentische akustische Instrumente, bei denen durch das mittlere Pedal eine Leiste betätigt wird, welche die Hämmer daran hindert, die Saiten zu treffen. Die vom Pianisten gespielten Töne werden stattdessen von einem integrierten Klangerzeuger erfasst, durch den sie mittels eines Kopfhörers hörbar gemacht werden.

Das System verfügt über sehr empfindsame Sensoren, die alle Nuancen des Klavierspiels wiedergeben können. Jede einzelne Taste wird überwacht. Die Technik ist insgesamt sogar sensibler und ermöglicht noch mehr Nuancen, als die Tastatur eines digitalen Pianos.

Der Klang des Systems basiert auf Samples, die einem Konzertflügel nachgeahmt wurden. Ein Wellenformspeicher, der circa 30 MB umfasst, garantiert einen natürlichen, authentischen Klang, der noch detaillierter gespielt werden kann, als bei einem herkömmlichen Instrument. Das Spektrum reicht vom leisesten Pianissimo bis zum gewaltigen Fortissimo. Wird das Dämpferpedal verwendet, erfolgt zudem eine Simulation der Schwingungen der übrigen Saiten. Daneben können neben dem Klavier noch weitere Klangfarben wie Orgel, Cembalo, Vibraphon oder Orchester nachgeahmt werden. Der Digitalmodus ermöglicht neben der Einstellung verschiedener Klangfarben auch einen Halleffekt, bei dem das Spielen in einem Raum beziehungsweise Konzertsaal simuliert wird. Möglich ist sogar das gleichzeitige Spielen verschiedener Klänge.

Anwender können zudem ihr eigenes Spiel aufnehmen und abschließend abspielen. Fertige Klavierstücke können auf einem USB-Stick gespeichert werden.

Grundlagen

Beim Silent Piano System existieren zwei Komponenten. Einerseits sorgt ein Mechanismus dafür, dass die Hämmer zurückgehalten werden. Andererseits sorgen optische Sensoren für eine digitale Tonerzeugung. Wird vom Spieler das mittlere Pedal gedrückt, treffen die Hämmer nicht auf die Saiten, weshalb kein Ton nach außen dringen kann. Sensoren und Tonerzeuger ermöglichen jedoch eine digitale Wiedergabe des Klangs.

Durch die optischen Sensoren auf den Tasten können stufenlos Stärke und Geschwindigkeit des Tastenanschlages erfasst werden. Jede der 88 Tasten verfügt über einen solchen Sensor und eine Grauverlaufsblende. Bei dieser Blende handelt es sich um eine Platte, deren optische Übertragungsmöglichkeit nach unten hin immer weiter zunimmt. Erfolgt die Aktivierung des Systems, wird ein Laser permanent durch die jeweiligen Tastensensoren geschickt. Wird eine Klaviertaste betätigt, blockiert die Blende das Laserlicht, wobei die Lichtmenge proportional zur Tiefe des Anschlages abnimmt. Durch Menge und Geschwindigkeit, mit der das Licht sich ändert, kann der Sensor die Tiefe des Anschlags des Pianisten erkennen.

Ein zusätzlicher Mechanismus ermöglicht die weitere Optimierung des Silent Pianos und garantiert einen natürlichen Anschlag sowie eine saubere Wiedergabe.

Weitere, auf den Hammerstielen befindlichen Sensoren, verfügen über eine sogenannte Zweipunkterfassung. Dadurch können sie die genaue Geschwindigkeit sowie die Zeit der Hammerbewegung messen. Diese Hammersensoren erfassen die gleichen Informationen über Ton und Anschlag wie die Tastensensoren. Diese Simultanerfassung zwischen Tasten und Hämmern ermöglicht eine noch genauere Erkennung des Tastenanschlages und kann Klänge noch optimaler wiedergeben.

Durch einen Hammerstiel-Stopper wird beim Klavierspiel der akustische Klang verhindert. Er hält die Hämmer an, bevor diese die Saiten treffen und stellt sicher, dass das im Silent Piano Modus betätigte Instrument denselben Anschlag hat, wie bei einem akustischen Spielen. Die Stopper verfügen über einen dicken Filz aus zwei Schichten. Dadurch werden Töne akustisch nicht mehr hörbar. Zudem werden die Hammerköpfe nicht beschädigt.

Eine Kontrolleinheit besitzt ein Bedienfeld, Eingangsbuchsen für Kopfhörer, Lautstärkenregler, Aufnahmetaste, Tasten für Wiedergabe und Stop sowie eine Hallsteuerung.

C Bechstein Vario Digitalsystem

Das C Bechstein Vario Digitalsystem ist eine Eigenentwicklung und ermöglicht ebenfalls die Stummschaltung aller Flügel und Klaviere von Bechstein. Es kann auch bei den Marken Euterpe, W.HOFFMANN sowie Zimmermann ab Bauahr 2004 verwendet werden. Simuliert werden die Klänge des Bechstein Flügels D 282. Es kann bei neuen Bechstein Instrumenten eingebaut werden. Möglich ist auch das Nachrüsten aller aktuellen Modelle der verschiedenen Markenlinien von Bechstein.

Andere Systeme

Kawai bietet unter der Bezeichnung “AnyTime” ein ähnliches System. Möglich ist auch eine Nachrüstung älterer Instrumente. Daneben bieten mittlerweile auch viele weitere Pianohersteller entsprechende Systeme an.