Was Polyphonie ist und wie viel man davon braucht

Im Zusammenhang mit E-Pianos stößt man immer auf den Begriff “Polyphonie” in Verbindung mit einer Zahl zwischen 64 und 256 die meist dahinter steht. Aber was genau ist Polyphonie eigentlich, was sagt diese Zahl beim Digitalpiano aus und wie viel davon benötigt man wirklich? Diesen Fragen gehen wir in diesem Artikel auf den Grund.

Was ist Polyphonie überhaupt?

Unter Polyphonie versteht man die Fähigkeit des Digitalpianos, mehrere Töne gleichzeitig wiedergeben zu können. Also nicht nacheinander, sondern zur selben Zeit. Die Zahl die von den Herstellern angegeben wird bezieht sich immer auf die maximale Anzahl der Töne, die simultan miteinander klingen können. Bei einer Polyphonie von 128 wären dies entsprechend 128 Töne.

Was passiert, wenn weitere Töne hinzukommen?

Eben das ist nicht möglich. Ist die maximale Anzahl an gleichzeitig erklingenden Tönen ausgeschöpft und ein weiterer kommt hinzu, dann wird in der Regel der Ton der als erster zu hören war zugunsten des neuen Tons einfach abgeschaltet. Theoretisch besteht auch die Möglichkeit, dass der neue Ton stumm bleibt – bei modernen Digitalpianos ist dies jedoch nicht der Fall. Bei einer Polyphonie von 256 bleibt es also bei maximal 256 Tönen und ganz gleich was man versucht, es werden keine 257 daraus. Das Spektrum reicht in diesem Beispiel immer von 0 bis 256 Tönen.

Aber ich habe doch nur 10 Finger!?

Ein Klavier hat entweder 85 oder 88 Tasten und die meisten Menschen in der Tat nur 10 Finger, mit denen sie maximal 10 Tasten gleichzeitig drücken können. Selbst wenn man sich auf die Klaviatur legt und alle Tasten gleichzeitig drückt käme man auf maximal 88 Töne – oder nicht? Diese theoretische Überlegung legt nahe, dass eine Polyphonie von 10 beim E-Piano eigentlich ausreichend sein müsste. Zahlen die jenseits der 100er oder 200er-Marke liegen sind in der Tat etwas verwirrend. Allerdings wird bei diesem Gedankenexperiment die Funktionsweise eines elektrischen Klaviers außen vor gelassen. Wenn man eine Taste drückt und die Mechanik den jeweiligen zum Ton gehörenden Hammer in Bewegung setzt trifft dieser nicht wie beim akustischen Original auf eine oder mehrere Saiten die daraufhin schwingen, sondern auf eine Sensorik, die die Geschwindigkeit und damit die Intensität mit welcher eine Taste gedrückt worden ist, ermittelt. Daraufhin wird das dazu passende Sound-Sample wiedergegeben. Dabei handelt es sich um eine Aufnahme von einem akustischen Klavier oder Flügel, die unter den gleichen Bedingungen aufgezeichnet worden ist. Drücke ich eine Taste ganz langsa und behutsam, so wird die Aufnahme des Originals wiedergegeben, bei der ein Pianist die selbe Taste ebenso langsam und behutsam gedrückt hat. Kompliziert wird es, wenn man die Möglichkeiten der Klanggestaltung eines E-Pianos ausschöpft und neben dem Einsatz sämtlicher Pedale auch noch alle Effekte die das Instrument zur Verfügung stellt, einsetzt. Chor, Drums, Hall & Co. Eben alles, was ein richtiges Klavier nicht zu bieten hat und in der Regel auch nicht vermisst wird.

Wie viel Polphonyie braucht man also?

Gängig sind bei E-Pianos 64, 128, 192 und 256. Während man im unteren Preissegment oft mit 64 Stimmen vorlieb nehmen muss, sind es bei Instrumenten der Mittelklasse meist 128 oder sogar mehr. In den oberen Preisklassen gehören 256 Stimmen eigentlich schon zum Standard.

In den meisten Fällen reicht eine Polyphonie von 64 bis 128 völlig aus. Wenn man allerdings beabsichtigt mit unterschiedlichen Effekten, Klängen und Stimmen zu arbeiten die sich teilweise überlagern und dabei auch die Pedale stets mit einbezieht, explodiert der Anspruch an die erforderliche Anzahl an Tönen die gleichzeitig erklingen können.

Wenn es darum geht das E-Piano als das zu verwenden was es im Grunde genommen ist, nämlich ein Klavierersatz, dann benötigt man keine Polyphonie mit 256 Stimmen. Dies gilt für die klassische Klavierliteratur, auch wenn dort der Einsatz von Sustain- und Sostenuto-Pedal vorgesehen ist ebenso, wie für Stücke aus dem Bereich der Populärmusik. Wenn man es sich leisten kann spricht natürlich nichts dagegen, sich zu gönnen, was dem aktuellsten Stand der Technik entspricht – auch wenn man es wahrscheinlich nicht braucht und niemals brauchen wird.