E-Piano gebraucht kaufen: Darauf kommt es an

Ein Digitalpiano ist meist eine kostspielige Angelegenheit. Vor allem, wenn man sich nicht mit den einfachen Ausführungen begnügen möchte die nur über wenige Funktionen verfügen, ein schlechteres Lautsprechersystem und eine nur mittelmäßige Klaviatur. Auch optisch heben sich teure E-Pianos mit einer authentischeren Klavieroptik deutlich von den günstigen Einsteigermodellen ab. Wer nur ein kleines oder mittleres Budget zur Verfügung hat findet in einem gebrauchten E-Piano oft eine gute Alternative zum Neukauf. Für wen ein Gebrauchtes in Frage kommt und für wen nicht, worauf man beim Kauf achten muss und wo man die besten gebrauchten Digitalpianos findet, verraten wir in diesem Ratgeber.

Was für ein gebrauchtes E-Piano spricht – und was dagegen

Wie fast alles hat auch der Kauf von gebrauchten Musikinstrumenten seine Vor- und Nachteile. Während eine gute Geige – vorausgesetzt sie wird regelmäßig gepflegt, gegebenenfalls gewartet und pfleglich behandelt – in der Regel nicht schlechter wird wenn sie ins Alter kommt, bringt der Kauf von gebrauchten Digitalpianos einige nicht von der Hand zu weisende Nachteile mit sich die im Einzelfall die mögliche Ersparnis vollständig aufwiegen können.

Was dafür spricht

  • Im Idealfall günstiger
    Der Hauptgrund etwas „Gebrauchtes“ zu kaufen ist natürlich die Preisersparnis. Allerdings sollte man nicht den Preis eines gebrauchten E-Pianos mit dem eines neuen vergleichen. Es geht nicht um den Kaufpreis an sich, sondern darum, ob dieser für das jeweilige Instrument angemessen ist. Oftmals sind auch gebrauchte Digitalpianos nur auf den ersten Blick ein Schnäppchen und ihr Geld eigentlich nicht wert. Deshalb sollte man immer genau abwägen und sich an die unten aufgeführten Kriterien halten.
  • Wertverlust bei neuen Instrumenten
    Kaum sind die aktuellen Modelle ein paar Monate alt, folgt in der Regel schon die nächste Generation von E-Pianos. Die Hersteller sind stetig bemüht, ihre Instrumente weiterzuentwickeln um der Konkurrenz stets voraus zu sein. Neue Features, eine bessere Ausstattung und ein authentischeres Spiel- und Klangerlebnis sorgen für zufriedene Kunden. Natürlich bringt jedes neue Modell auch zahlreiche Reaktionen von medialer Seite mit sich. Testberichte, Reviews und Ankündigungen – aus Marketing-Sicht macht jede Neuerscheinung Sinn. Die tatsächlichen Verbesserungen sind, neben einer anderen Bezeichnung des Tasteninstrumentes die suggeriert dass es sich um das aktuellste Modell handelt abgesehen, oft überschaubar. Allerdings werden die Vorgänger-Modelle mit jeder Neuerscheinung günstiger. Auf dem Gebrauchtmarkt kann man diese Instrumente dann oft zu einem guten Preis erstehen und ist noch immer uptodate. Kauft man hingegen das aktuellste Digitalpiano der gängigen Hersteller, verliert dieses in den ersten Jahren einiges an Wert. Ein gebrauchtes Instrument ist hingegen meist ziemlich preisstabil und kann später oftmals ohne nennenswerten Wertverlust weiterverkauft werden, sollte man irgendwann auf ein neues E-Piano oder ein akustisches Klavier umsteigen.

Was dagegen spricht

  • Keine Garantie, keine Gewährleistung & kein Widerrufsrecht
    Der wohl größte Nachteil besteht darin, dass es auf gebrauchte Instrumenten in der Regel weder Garantie noch Gewährleistung gibt. Auch wenn auf eBay oder im Wochenblatt mit Restgarantie und der noch vorhandenen Rechnung geworben werden sollte – diese ist nicht auf den neuen Besitzer übertragbar und im Garantiefall hat man meist das Nachsehen. Eine Ausnahme bilden Händler, die im Gegensatz zu Privatpersonen fast immer auch für gebrauchte Instrumente Händlergarantie und Gewährleistung anbieten, auch wenn diese oft auf 1 Jahr reduziert ist. Auch wenn E-Pianos an sich sehr langlebig und robust sollte man diesen Aspekt in seine Überlegungen einbeziehen. Zudem hat man kein Widerrufsrecht. Ist das Geld erst einmal übergeben und man mit dem Instrument zu Hause angekommen, ist der Privatkauf abgeschlossen. Man hat keine zwei Wochen Zeit über den Kauf nachzudenken und gegebenenfalls zurückzutreten wie man dies beispielsweise bei einem Online-Kauf tun kann.
  • Eventuell keine Ersatzteile mehr erhältlich
    Für alte Modelle sind möglicherweise keine Ersatzteile mehr erhältlich. Dies gilt insbesondere für E-Pianos die nicht von den bekannten und renommierten Herstellern kommen. Im Idealfall kauft man ein gebrauchtes Piano einer etablierten Marke welches erst ein paar Jahre auf dem Buckel hat und keinen steinzeitlichen NoName-Oldtimer mit miesem Sound und schlechter Tastatur.

Worauf es ankommt

Am besten man kauft ein gebrauchtes Instrument nicht online, sondern nimmt es vor Ort in Augenschein und testet es bei dieser Gelegenheit ausgiebig. Das können auch Anfänger machen, die noch nicht so viel Erfahrung vorweisen können.

  • Tastatur / Klaviatur
    Bei der Tastatur kommt es zum einen darauf an, dass diese sich in einem guten Zustand befindet und sämtliche Tasten funktionstüchtig sind. Um das zu überprüfen sollte man jede einzelne Taste sowohl schnell als auch langsam mehrfach drücken. Es dürfen hierbei keine Tasten hängen. Man sollte auch darauf achten, ob sie klappern oder allgemein sehr laut sind, was später beim Spielen ohne Kopfhörer stören könnte. Das Piano sollte dabei natürlich ausgeschaltet sein oder der Lautstärkeregler auf der niedrigsten Stufe. Bei einem viel gespielten Instrument kann es durchaus sein, dass die Tasten verschlissen sind. Dies ist äußerlich in der Regel nicht erkennbar, jedoch können sich einzelne Bauteile der Hammermechanik abnutzen und eine kostspielige Reparatur lohnt sich in den meisten Fällen nicht.
  • Gebrauchsspuren / Zustand
    Der allgemeine Zustand sollte möglichst gut sein, zumindest aber dem Preis angemessen. Optische Mankos sind sicher Ermessensfrage, offensichtliche Schäden und Mängel sollten allerdings bei der Preisfindung berücksichtigt werden und dürfen natürlich keinen Einfluss auf den Klang oder das Klavierspiel haben. Auch die integrierten Lautsprecher sollten auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft werden. Dazu dreht man sie am besten etwas auf, so kann man die Klangqualität einschätzen und eventuelle Beschädigungen heraushören.Ein besonderes Augenmerk sollte man auf sämtliche Verschleißteile legen. Neben den Tasten sind dies die Pedale und alle Drehregler, Knöpfe und Hebel. Die Historie, also die Vergangenheit eines Digitalpianos, ist ein wichtiges Kriterium. Wer hat das Instrument gespielt und wie regelmäßig? Sind die vom Verkäufer gemachten Angaben zum Piano plausibel und passt der Zustand dazu?
  • Spielen
    Auch wenn man noch ganz am Anfang seiner Pianistenkarriere steht – das Digitalpiano testen kann jeder. Man kann hierzu ein paar einfache Akkorde spielen oder einfach darauf los klimpern. Achten sollte man hierbei darauf, ob es auch wirklich nach Klavier klingt und die Klavierklänge einem zusagen. E-Pianos geben beim Drücken einer Taste nämlich einen zuvor von einem akustischen Klavier oder Flügel aufgenommenen Ton wieder. Ein E-Piano von Yamaha klingt deshalb anders als eines von Kawaii oder Korg. Auch die Klangqualität sollte man auf sich wirken lassen und entscheiden ob sie ausreichend ist. Im Idealfall lässt man sich vor Ort etwas vorspielen und macht dann ein paar Schritte zurück um den Klaviersound auf sich wirken zu lassen.
  • Zubehör
    Natürlich sollte man auch dem vorhandenen Zubehör Beachtung schenken. Anschlusskabel, Pedale, Notenablage & Co – was fehlt muss später nachgekauft werden. Wenn das entsprechende Zubehör für das jeweilige Modell überhaupt noch erhältlich ist.
  • Hygiene & Sauberkeit
    Vom Äußeren kann man häufig auch aufs Innere schließen. Ist das Instrument gepflegt und in einem guten Zustand, wurde es wahrscheinlich auch pfleglich behandelt und darauf geachtet, dass es eine möglichst lange Lebensdauer haben wird. Sieht es hingegen unsauber aus, ist von Kratzern übersät und wurde offensichtlich nur oberflächlich für den Verkauf gereinigt, wurde vermutlich auch nie sonderlich sorgsam damit umgegangen und Schmutz hat sich in den Zwischenräumen der Tasten und andere Öffnungen festgesetzt.
  • Anschlussmöglichkeiten / Schnittstellen
    Möchte man externe Geräte an das Piano anschließen benötigt man entsprechende Schnittstellen oder Anschlüsse. Unterscheiden kann man grob in Ein- und Ausgänge. Über Ausgänge werden Informationen und Daten, also die Töne, entsprechend aus dem Instrument geleitet. Der Klassiker ist hier sicher der Kopfhöreranschluss welcher zum Standard gehört. Aber auch wenn man sein Klavierspiel aufnehmen möchte benötigt man eine entsprechende Schnittstelle die es ermöglicht, das Instrument über ein Kabel mit einem Computer zu verbinden. Auch Tablets lassen sich über Schnittstellen mit dem Digitalpiano verbinden und so diverse Apps und Programme wie Synthesia zum Klavierspielen lernen verwenden. Modernere Piano-Modelle verfügen hier über MIDI-Schnittstellen, welche sich bestens hierfür eignen. Auch analoge Ausgänge finden sich bei alten Instrumenten. Für die meisten dürfte der Kopfhörerausgang aber genügen. Diesen testet man vor dem Kauf im Idealfall mit einem entsprechenden Kopfhörer.
  • Vorsicht vor vermeintlichen Schnäppchen
    Vor dem Kauf sollte man über eine Suchmaschine der Wahl nach dem jeweiligen E-Piano suchen um zu sehen, ob und für wie viel Geld es gehandelt wird. Gängige und beliebte Modelle finden sich meist auf Auktionsportalen wie eBay oder Kleinanzeigen-Portalen. So kann man sich ein Bild darüber machen, wie hoch der Wert des Instruments in etwa ist um einen realistischen Preis aushandeln zu können. Außerdem kann man sich so gleich einen Überblick über die technischen Daten und die Ausstattung machen. Auf der Herstellerseite finden sich oft Datenblätter die sämtliche Informationen enthalten. Oft werden alte Digitalpianos zu teuer angeboten – hier sollte man aufpassen. Wenn man auf eBay ein Instrument ersteigern möchte, sollte man das Verkäuferprofil und die Bewertungen betrachten. Sie können bereits ein Hinweis darauf sein, was einen erwartet. Auch hier sollte man vorab am besten aber einen Termin zum Probespielen vereinbaren.

Fazit

Nicht selten ist das billigste „neue“ Digitalpiano besser als ein ganz altes Modell – auch wenn dieses einst dem neuesten Stand der Technik entsprach. Man sollte sich deshalb immer zuerst fragen, was man will und welche Funktionen, Features und Anschlüsse man benötigt. Ein guter Sound sollte selbstverständlich sein und die Tastatur die ein authentisches Klavierspiel ermöglicht das wichtigste Kriterium überhaupt. Abstriche kann man hingegen bei der Optik und unnötigen Ausstattungsmerkmalen machen. Anfänger – ob groß oder klein – sind mit einem guten gebrauchten E-Piano aber meist gut beraten. Auch wenn man ein günstiges Instrument für die erste Zeit sucht um später dann auf ein neues umzusteigen nachdem man darauf gespart hat, macht der Gebrauchtkauf Sinn.